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Betriebswirtschaftliche Bewertung

Ergebnisse

2017

Das Teilprojekt „Betriebswirtschaftliche Bewertung“ analysiert auf den beteiligten Demonstrationsbetrieben die Wirtschaftlichkeit der Netze zum Schutz vor der Kirschessigfliege in den Kulturen Süßkirsche, Himbeere, Brombeere und Heidelbeere. Ziel des Teilprojektes ist es, belastbare betriebswirtschaftliche Empfehlungen für Obstbaubetriebe zu Kosten und Nutzen von Einnetzungen gegen die KEF zu generieren.

Zunächst wurde der Entscheidungsprozess der Obstbauern für oder gegen eine Einnetzung vor dem Hintergrund möglicher betriebswirtschaftlicher Einflussgrößen be­trachtet. Davon ausgehend wurden die wichtigsten Kosten- und Vorteilskomponenten, Motivationen und Erwartungen der Betriebe abgeleitet. Auf dieser Grundlage wurden Fragebögen für Betriebsleiter entwickelt, die sich in den kulturspezifischen Aspekten Pflan­zenschutz und Ernte unterscheiden, in den Bereichen Investitionskosten, Handling der Netze und Motivation jedoch einheitlich sind.

In einer ersten Befragungsrunde wurden die Betriebsleiter der 19 Demonstrationsbetriebe in Zusammenarbeit mit den Pflanzenschutzdiensten der teilnehmenden Bundesländer zu Investitions- und Unterhaltskosten, Einfluss der Einnetzung auf die Arbeitsabläufe im Pro­duktionsverfahren sowie dem Einfluss der Einnetzung auf die Vermarktungswege befragt. Anhand der gewonnenen Daten konnte eine erste Abschätzung der Investitionsanforderun­gen für Einnetzungen gegen die KEF bei vollständig neu angelegten reinen KEF-Schutz­systemen, aber auch als Ergänzung für bereits bestehende Anbauschutzsysteme gegen Witterungseinflüsse, dargestellt werden (siehe dazu Kapitel „Kosten“). Die Belastbarkeit der Ergebnisse wird durch eine Ausweitung der Datengrundlage in den kommenden Jahren erhöht.

Erste Ergebnisse zu Art und Höhe der zu erwartenden jährlichen Kosten zeigten, dass die Investitions- und die zusätzlichen Arbeitskosten für die Wirtschaftlichkeit der KEF-Netze entscheidend sind. Der jährlich benötigte Arbeitszeitbedarf zum Auf- bzw. Abbau der Netze, sowie deren Lagerung, wurde erhoben. Zusätzlich wurde der Einfluss unterschiedlich ge­stalteter Zugangsbereiche (Gardinensysteme mit und ohne Kurbel, Torsysteme, überlap­pende Netze) der eingenetzten Anlagen auf die benötigte Arbeitszeit zur Durchführung der Pflanzenschutz- und Pflegemaßnahmen erhoben. Hier konnte die Innovationsfähigkeit der Betriebe als ein bestimmender Faktor identifiziert werden, da durch kreative Einnetzungslösungen zahlreiche Obstbauern den Umstand begegneten, dass viele der am Markt angebotenen Systeme den Anforderungen der Praxis  noch nicht genügen. Darüber hinaus zeigte sich, dass die Vermarktungswege den Umgang mit der KEF auf den Betrie­ben und damit das Produktionsverfahren (z.B. Sortenwahl und Ernteintervalle) sowie die Handhabung der Netze (z.B. Einnetzungsdauer und Intensität) maßgeblich beeinflussen. Neben dem Schutz vor der Kirschessigfliege konnten weitere Schutzwirkungen der Einnetzungen (Witterung, Vögel) identifiziert werden.

Im weiteren Projektverlauf wird die Datengrundlage durch Exakterhebungen von Arbeits­zeiten und die kontinuierliche Befragung von Betriebsleitern, Projektbetreuern und Netzher­stellern weiter verbessert, um eine umfassende betriebswirtschaftliche Bewertung der in der ersten Befragungsrunde identifizierten Einnetzungsvarianten vornehmen zu können.

Kosten

Die Anschaffungskosten für ein KEF-Schutzsystem setzten sich aus den Kosten für das Insektenschutznetz und dessen Befestigung, den Kosten des eingenetzten Zugangs zur Obstplantage sowie den Kosten für das Gerüst, an dem das Netz befestigt wird, zusammen.

Besteht bereits ein Anbauschutzsystem (Tunnel, Regendach, Schattiernetz etc.) entstehen nur Kosten für das Netz, den Zugang und die Befestigung des Netzes. Je nach Art der Einnetzung (seitliche bzw. Volleinnetzung) und Art des Zugangs (eingenetztes Vorgewende, Tor, Kurbel­system oder einfaches Netz) unterscheiden sich die Kosten bei den untersuchten Anlagen stark voneinander. Bei den untersuchten Betrieben liegen die reinen Materialkosten für die Netze zwischen 62 und 102 Cent je m² Netz.

Besteht kein Anbauschutzsystem kommen zu den Kosten für das Netz noch die Kosten für ein Gerüst hinzu. Im Süßkirschenanbau ist bei Neuanlagen eine Regenüberdachung mittlerweile üblich. Die Regenüberdachung dient dann als Gerüst für die Einnetzung. Bei den untersuchten Betrieben belaufen sich die Anschaffungskosten für die Regenüberdachung zwischen 50.000 und 100.000 zzgl. MwSt. Euro je Hektar überdachte Fläche. Ähnlich hohe Kosten ergeben sich bei der Neuanschaffung eines Folientunnels, der dann als Gerüst für das Insekten-schutznetz dient.

Sind bei Beerenobst bereits Tunnel zum Schutz vor Sonne, Regen und Hagel vorhanden, fallen lediglich zur zusätzlichen Einnetzung der Stirnseiten und der Lüftungsbereiche an den Längsseiten der Tunnel Kosten an. Bei Kirschanlagen, die bereits mit einer Regenschutz­bedachung oder mit Vogelschutznetzen ausgestattet sind, ist die zusätzliche Installation von Insektenschutznetzen an den Seiten und im Dachbereich sowie um das Vorgewende erforderlich.

2018

Das Teilprojekt „Betriebswirtschaftliche Bewertung von Netzen gegen die Kirschessigfliege“ analysiert die Wirtschaftlichkeit von bereits installierten Netzen zum Schutz vor der Kirschessigfliege in den beteiligten Betrieben. Hierzu wurden im ersten Projektzeitraum Betriebsbefragungen durchgeführt. Im zweiten Projektjahr wurden die Betriebsbefragungen fortgesetzt und ausgewertet. Darüber hinaus wurde ein Konzept zur Erfassung der Einflüsse der Netze auf die betrieblichen Arbeitsprozesse entwickelt. Es konnten Arbeitszeitmessungen für verschiedene Zugangsarten durchgeführt werden. Für die durch die Einnetzung verursachten Kosten im Bereich der Erntemaßnahmen war nicht nur die Art des Zuganges entscheidend. Vielmehr bestimmt die betriebsspezifische Gestaltung der gesamten Ernte- und Lagerlogistik die Höhe des durch die Netze verursachten Mehraufwandes.

Die jährlichen Kosten für Anlagen mit Dachsystem und seitlicher Einnetzung bewegen sich in einem Bereich von 410 bis 1.620 Euro. Die komplette Einnetzung der Freiland-Heidelbeeranlage verursacht jährliche Kosten von 3.140 Euro. Beim komplett eingenetzten Folientunnel liegen die jährlichen Kosten bei 2.886 Euro. Die Kosten für das Netz machen bei den investitionsabhängigen Kosten den größten Teil aus. Bei den Betriebskosten verursacht die Installation der Netze die höchsten Kosten. Der durch die Netze verursachte höhere Arbeitsaufwand bei der Ernte dürfte vor allem im Beerenbereich einen nicht zu unterschätzenden Kostenfaktor darstellen.

Wegen des geringen Befallsdrucks wurden die Netze während der Erntemaßnahmen meist offenstehen gelassen, um eine reibungslose Ernte zu gewährleisten. Es bleibt abzuwarten, inwieweit die Betriebe diese Praxis in einem Jahr mit höherem Befallsdruck umstellen und zu welchen Kosten dies führen würde. Die Berechnung der Stückkosten zeigte, dass die Netze nur zu einem moderaten Anstieg der Stückkosten führten. Bei den Kirschen lagen diese zwischen 3 und 13 Cent je kg, bei den Himbeeren und Brombeeren zwischen 3 und 15 Cent je kg. Bei der komplett eingenetzten Heidelbeeranlage waren es 30 Cent je kg. Die Netze verursachen diese Kosten auch ohne Kirschessigfliegenbefall. Falls es jedoch zu einem Befall kommt, übersteigen die Mehrkosten durch den Befall schnell die Mehrkosten für die Einnetzung. Neben dem direkten Ertragsausfall spielen hier die erhöhten Pflückkosten eine wichtige Rolle.

Die vollständigen Ergebnisse zum ersten und zweiten Projektjahr finden Sie ebenfalls hier als Download

Ergebnisbericht 2017 Demonstrationsvorhaben „Einnetzen von Obstkulturen zum Schutz gegen die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii )"

Ergebnisbericht 2018 Demonstrationsvorhaben „Einnetzen von Obstkulturen zum Schutz gegen die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii )"

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